Wie werde ich zum Baumeister meines Lebens?

28.09.2026 | von Prof. Dr. Markus Jüster
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Umgang mit Krisen - ein Baumeister steht im Vordergrund de Bildes und deutet auf einen Plan, das Gebäude im Hintergrund entspricht nicht der Zeichnung auf dem Plan.

Von Umgang mit Krisen 

Unvorhergesehen, unverhofft und in ihrer Wirkung  – fast – immer ungerecht. Krisen kommen dann, wann wir sie am wenigsten erwarten, und sie sind in der Regel rücksichtslos. Krisen stellen uns auf die Probe und zwingen uns, uns mit unserer Verwundbarkeit, unseren Ängsten und oft auch mit unvorhergesehenen Veränderungen auseinanderzusetzen. Doch sie bieten gleichzeitig eine wertvolle Chance: die Möglichkeit, aktiv die Rolle des „Baumeisters“ unseres Lebens einzunehmen und uns neu zu gestalten. Dazu gilt es die Krise anzunehmen, alte Verhaltensmuster und Glaubenssätze in Frage zu stellen und neu zu beginnen. Was aber kann uns in einer Krisensituation helfen? 

Die Natur der Krise verstehen 

Eine Krise ist oft der Wendepunkt in einer Phase unseres Lebens. Es handelt sich um eine Störung des gewohnten Lebensflusses, die uns zwingt, innezuhalten, nachzudenken und eine Entscheidung zu treffen. Sie können durch äußere Umstände wie Arbeitsplatzverlust, Beziehungsprobleme oder gesundheitliche Herausforderungen ausgelöst werden, aber auch durch innere Konflikte wie Sinnkrisen oder Selbstzweifel. 

Wichtig ist zu erkennen, dass eine Krise nicht einfach nur ein destruktiver Moment ist, sondern auch eine Chance birgt.  

Krisen als Chance zur Selbstreflexion 

Krisen bieten uns die Gelegenheit, tiefer in unser Inneres zu schauen und zu erkennen, wer wir wirklich sind und was uns im Leben wichtig ist. Oft leben wir in Routinen, ohne uns dessen bewusst zu sein. Erst in Krisenzeiten werden wir gezwungen, uns mit unseren Werten, Zielen und Lebensvorstellungen auseinanderzusetzen. Diese Selbstreflexion ist ein entscheidender Schritt, um wieder in die „Driver-Seat-Position“ zu gelangen und die Rolle des „Baumeisters“ unseres Lebens erneut zu übernehmen. 

Krisen sind oft Konsequenzen unseres bisherigen Lebensweges: 

Eine Krise kann uns darauf aufmerksam machen, dass bestimmte Aspekte unseres Lebens nicht mehr funktionieren. Möglicherweise haben wir zu lange an einem Job festgehalten, der uns nicht erfüllt, oder wir haben Beziehungen aufrechterhalten, die uns mehr schaden als nutzen. Krisen zwingen uns, Bilanz zu ziehen und notwendige Veränderungen vorzunehmen.  

Resilienz entwickeln – Die Krise als Herausforderung 

Eine der wichtigsten Fähigkeiten, um erfolgreich mit Krisen umzugehen, ist Resilienz. Resilienz beschreibt die Fähigkeit, sich von Rückschlägen zu erholen und trotz widriger Umstände weiterzumachen. Resiliente Menschen sehen in Krisen weniger eine Bedrohung als vielmehr eine Herausforderung. Sie haben die Fähigkeit, flexibel zu bleiben und sich an veränderte Gegebenheiten anzupassen.   

Entscheidungen fällen und Unsicherheit absorbieren. 

Ein zentraler Aspekt des „Baumeister-Seins“ besteht darin, dass wir in Krisen bewusst Entscheidungen treffen. Krisen geben uns die Gelegenheit, aktiv die Weichen für unsere Zukunft zu stellen. In diesen Momenten besteht die Möglichkeit, sich entweder zum Objekt der Umstände zu machen oder aber die Kontrolle über das eigene Leben zurückzugewinnen. In dieser Situation dienen Entscheidungen der Reduktion von Komplexität sowie der Absorption von Unsicherheit (Luhmann). Um wieder Kontrolle über das eigene Leben zu erlangen, ist es unerlässlich, die Fähigkeit zu entwickeln, Entscheidungen zu treffen.   

Unterstützung annehmen – Gemeinsam durch Krisen gehen 

Baumeister ihres Lebens zu sein bedeutet nicht, alle Herausforderungen alleine meistern zu müssen. Im Gegenteil: Der bewusste Umgang mit Krisen beinhaltet auch die Fähigkeit, Unterstützung anzunehmen. Oftmals hindert die eigene Scham uns auf Menschen in unserer Umgebung zuzugehen und um Unterstützung zu bitten. Dies nicht zu tun ist auch eine Form der Zurückweisung an Menschen, die uns lieben. 

Veränderung als Grundprinzip des Lebens akzeptieren 

Eine der wichtigsten Lektionen, die uns Krisen lehren, ist die Erkenntnis, dass das Leben ständig in Bewegung ist. Bewegung ist Leben und Leben zu akzeptieren heißt auch Krisen als Chance wahrzunehmen. 

Der Umgang mit Krisen erfordert Mut, Selbstreflexion und die Bereitschaft, aktiv Verantwortung für das eigene Leben zu übernehmen. Krisen bieten die Chance, unser Leben bewusst zu gestalten und zum Baumeister unserer eigenen Zukunft zu werden. Um Baumeister des eigenen Lebens zu sein, ist es entscheidend, Veränderung zu akzeptieren. Nur wer bereit ist, sich anzupassen und weiterzuentwickeln, wird in der Lage sein, sein Leben bewusst zu gestalten. Dies bedeutet, offen für neue Wege zu sein, Altes loszulassen und sich mit Neugier und Mut dem Unbekannten zu stellen. 

Indem wir 

  • Resilienz entwickeln,  
  • Entscheidungen bewusst treffen,  
  • Unterstützung annehmen und die  
  • Veränderung als Grundprinzip des Lebens akzeptieren,  

können wir gestärkt aus jeder Krise hervorgehen. In diesem Sinne sind Krisen nicht das Ende, sondern oft der Beginn eines neuen, bewussteren Lebenswegs. 


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Prof. Dr. Markus Jüster

28.09.2026

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