Wandel managen lernen – warum echter Dialog der Schlüssel zur Veränderung ist

05.10.2026 | von Prof. Dr. Markus Jüster
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Wandel ist längst kein Ausnahmezustand mehr, sondern die neue Normalität, in Organisationen ebenso wie im persönlichen Denken und Handeln. Wer Wandel managen lernen will, braucht mehr als Methodenwissen: Es geht um Haltung, Dialogfähigkeit und die Bereitschaft, unterschiedliche Perspektiven zuzulassen. Der Dialog wird dabei zum Schlüssel, um Komplexität zu verstehen und Orientierung zu schaffen – im Coaching ebenso wie in Führung und gesellschaftlichem Diskurs.

Der Dialog ist seit den Sophisten eine Form des Gesprächs, bei der mehrere Personen (nicht nur zwei) durch Wort und (Gegen-)Rede versuchen, den Sinn einer Sache zu entschlüsseln. Es musste nicht, konnte aber ein Zwiegespräch sein. Spätestens seit dem sokratischen Dialog gilt es als Königsdisziplin, um sich nicht nur der Sache, sondern auch der Haltung zu vergewissern.

Nun sind Haltung und Sache zwei Dinge, die auch im Coaching zentral sind. Um in einen Dialog treten zu können, bedarf es zunächst eines Bezugspunktes, auf den sich der Austausch bezieht. Darüber hinaus bedarf es Regeln, die einen Dialog erst möglich machen (Luhmann: Legitimation durch Verfahren). Insofern wir anerkennen, dass naturwissenschaftliche Wahrheitsfindung selbstevident ist und sozialwissenschaftliche Forschung eher einer Form „intersubjektiver Komplexitätsreduktion“ entspricht, stellt sich die Frage, wie Coaching als iterativer Prozess des Mäanderns zwischen Sache und Haltung gestaltet werden kann. Wie kann das aussehen?

  • Bezugsrahmen einer überprüfbaren Wirklichkeit: No Bullshit-Talk! (Und keine Fehlinterpretationen des watzalawikschen Konstruktivismus).
  • Bezugsrahmen der Haltung: Wertekontext offenlegen (Kant, Kategorischer Imperativ: „Handle nur nach derjenigen Maxime, von der du wollen kannst, dass sie ein allgemeines Gesetz werde“).
  • Bezugsrahmen Menschlichkeit: Wir akzeptieren die Grundbedingungen, die nicht nur Menschsein, sondern Menschlichkeit erst möglich machen. (Conditio humana, H. Arendt: Vita activa)
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In dem Maße, in dem wir in einen Dialog nicht nur der Divergenz, sondern auch des Dissens eintreten, können die auftretenden Differenzen bearbeitet, diskutiert und auch akzeptiert werden. Akzeptable Vielfalt entsteht.

Angesichts der aktuellen politischen Debattenkultur kann es auch Aufgabe eines Coachings sein, zu einer redlichen Form der Kommunikation anzuleiten. Diese basiert auf

  • Fundiertheit
  • Nachprüfbarkeit
  • Offenheit

Dies müssen wir gerade in Dialogen im Dissens einfordern, damit sich nachvollziehbare Meinungsbilder auf der Basis von Fakten entwickeln können.


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Prof. Dr. Markus Jüster

05.10.2026

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