Business Coaching: evidenzbasiert, kontextsensibel und professionell im Unternehmensalltag verankert

15.01.2026 | von Prof. Dr. Katrin Winkler
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Ein Bild, um Business Coaching im Unternehmenskontext darzustellen. Zwei stilisierte Köpfe, der linke hat eine Glühbirne im Kopf, die an einem Faden von einer Hand gehalten wird, die von außerhalb des Bildes kommt, der andere hat eine Pflanze, die von einem kleinen Menschen gewässert wird.

Coaching zwischen Popularität und Professionalisierung

Coaching hat sich in den vergangenen zwei Jahrzehnten von einer randständigen Praxis zu einem festen Bestandteil der Personal- und Führungskräfteentwicklung entwickelt. Kaum ein Entwicklungsprogramm für Führungskräfte, High Potentials oder Executives kommt heute ohne Coaching-Elemente aus. Gleichzeitig ist der Begriff „Coaching“ unscharf, rechtlich nicht geschützt und wird für sehr unterschiedliche Formate verwendet – von Lebensberatung über Mentoring bis hin zu therapienahen Angeboten.

Diese begriffliche Inflation hat Konsequenzen. Sie erschwert eine klare Erwartungshaltung auf Seiten von Organisationen, verwischt die professionelle Abgrenzung zu Beratung und Therapie und macht eine fundierte Qualitätsbeurteilung von Coaching-Ausbildungen zunehmend schwierig. Die Coachingforschung reagiert auf diese Entwicklung seit einigen Jahren mit einer zunehmenden Präzisierung und Kontextualisierung des Coachingbegriffs.

Ein zentrales Ergebnis dieser Forschung lautet: Coaching ist keine universelle Methode. Seine Wirksamkeit hängt maßgeblich davon ab, in welchem Kontext es eingesetzt wird.

Was ist Business Coaching? Eine präzise Arbeitsdefinition

Business Coaching bezeichnet die professionelle Begleitung von Personen in organisationalen Rollen mit dem Ziel, deren berufliche Handlungsfähigkeit, Entscheidungsqualität und Führungswirksamkeit im Unternehmenskontext zu stärken.

Charakteristisch für Business Coaching sind:

  • der explizite Bezug auf Organisationen, Rollen und Aufgaben,
  • eine klare Zielorientierung im beruflichen Kontext,
  • die systemische Betrachtung von Strukturen, Macht, Kultur und organisationalen Dynamiken,
  • eine klare Abgrenzung zur Therapie (keine Behandlung psychischer Störungen),
  • sowie eine klare Abgrenzung zur Beratung (keine Expertenlösungen).

Business Coaching adressiert damit nicht „die Person an sich“, sondern die Person in ihrer Rolle innerhalb eines organisationalen Systems.

Coaching wirkt – unter bestimmten Bedingungen

Die Wirksamkeit von Coaching ist heute empirisch gut belegt. Bereits die vielzitierte Meta-Analyse von Theeboom, Beersma und van Vianen (2014) zeigt signifikante Effekte von Coaching auf Zielerreichung, Selbstregulation, Wohlbefinden und Leistungsindikatoren. Entscheidend ist dabei: Der Großteil der einbezogenen Studien bezieht sich auf Coaching im organisationalen Kontext.

Aktuelle Forschung bestätigt und differenziert diese Befunde. In ihrer Metaanalyse systemischen Coachings im Arbeits- und Organisationskontext analysieren Bachmann und Willermann (2024) 24 Studien mit insgesamt über 1.400 Teilnehmenden. Die Ergebnisse zeigen mittlere bis starke Effektstärken, insbesondere auf der behavioralen Ebene, etwa in Bezug auf Zielerreichung, Handlungsfähigkeit und Veränderungsbereitschaft.

Zugleich wird deutlich: Coaching wirkt nicht automatisch. Systematische Reviews zeigen, dass die Wirkung stark davon abhängt,

  • ob Ziele arbeits- und rollenbezogen sind,
  • ob Coaches den organisationalen Kontext verstehen,
  • und ob Coaching in bestehende Strukturen eingebettet ist.

Der organisationale Kontext ist damit kein bloßes Hintergrundrauschen, sondern ein eigenständiger Wirkfaktor.

🔍 Vertiefung: Systemisches Denken im Business Coaching

Die Frage, warum Business Coaching im Unternehmenskontext wirkt – oder eben nicht –, lässt sich nicht allein über Methoden beantworten. Eine vertiefte Auseinandersetzung mit systemischem Denken, Organisationslogiken und professioneller Haltung im Coaching findet sich im weiterführenden Beitrag von Prof. Dr. Katrin Winkler auf ihrem persönlichen Blog: „Systemisches Denken im Business Coaching: Warum Kontext keine Kür, sondern Voraussetzung ist„. Dort wird erläutert, warum Kontext im Coaching keine Ergänzung, sondern eine grundlegende Voraussetzung für Wirksamkeit ist.

Drei zentrale Wirkmechanismen von Business Coaching

Die aktuelle Coachingforschung identifiziert insbesondere drei miteinander verknüpfte Wirkmechanismen, über die Business Coaching im organisationalen Kontext wirkt.

1. Professionell geführte Reflexion

Business Coaching bietet einen vertraulichen, professionell strukturierten Reflexionsraum, in dem berufliche Themen ohne unmittelbaren Leistungs- oder Rechtfertigungsdruck bearbeitet werden können. Entscheidend ist dabei nicht bloße Selbstreflexion, sondern geführte Reflexion: hypothesengeleitet, zielbezogen und mit professioneller Distanz.

2. Zielarbeit und Selbstwirksamkeit

Ein weiterer Wirkmechanismus liegt in der systematischen Arbeit an persönlich bedeutsamen, berufsbezogenen Zielen. Forschung zur selbstkongruenten Zielsetzung zeigt, dass klar formulierte, kontextuell eingebettete Ziele Selbstwirksamkeit stärken und lösungsorientiertes Denken fördern. Im Business Coaching sind diese Ziele stets an Rollen, Erwartungen und organisationale Rahmenbedingungen gekoppelt. Ziel ist nicht Selbstoptimierung, sondern Handlungsfähigkeit.

3. Selbstregulation und Umgang mit Veränderung

Business Coaching unterstützt die Entwicklung von Selbstregulation und Resilienz – Fähigkeiten, die insbesondere in Phasen organisationaler Transformation zentral sind. Studien zeigen, dass Coaching gerade in Zeiten von Veränderung dazu beiträgt, Reaktionsmuster bewusst zu machen, Rückschläge zu reflektieren und adaptive Strategien zu entwickeln.

Warum Methoden allein nicht ausreichen

Viele Coaching-Ausbildungen fokussieren primär auf Methoden, Fragetechniken und Gesprächsführung. Diese Kompetenzen sind notwendig, aber nicht hinreichend für Coaching im Unternehmenskontext. Die Forschung zeigt deutlich: Methoden entfalten ihre Wirkung nur dann, wenn sie in einem verstandenen organisationalen Kontext eingesetzt werden.

Ein zentrales Missverständnis vieler Ausbildungen besteht darin, Coaching als methodische Disziplin zu lehren – und nicht als kontextbasierte Entwicklungsintervention.

Der Zwei-Ebenen-Ansatz der Business-Coaching-Ausbildung an der Kempten Business School

Die Business-Coaching-Ausbildung der Kempten Business School trägt dieser Evidenz konsequent Rechnung und folgt einem expliziten Zwei-Ebenen-Modell.

Ebene 1: Verstehen der Business- und Organisationsrealität

Teilnehmende erwerben fundiertes Wissen zu Führung in komplexen Systemen, zu Digitalisierung und Künstlicher Intelligenz, zur Führung hybrider Teams sowie zu Talententwicklung und organisationalen Dynamiken. Dieses Verständnis bildet die Voraussetzung für wirksames Coaching im Unternehmenskontext.

Ebene 2: Professionelle Coaching-Intervention

Darauf aufbauend wird erarbeitet, wie geführte Reflexion gestaltet wird, wie Ziel- und Entwicklungsprozesse professionell begleitet werden, wie Selbstregulation und Entscheidungsfähigkeit gestärkt werden und wo klare Grenzen zu Beratung und Therapie verlaufen.

Business Coaching wird damit nicht als Sammlung von Tools verstanden, sondern als evidenzbasierte, professionell reflektierte Entwicklungsintervention.

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Fazit: Warum Business Coaching Business-Kompetenz braucht

Die aktuelle Forschungslage ist eindeutig:

  • Coaching wirkt.
  • Coaching wirkt besonders im organisationalen Kontext.
  • Coaching wirkt nicht automatisch.

Business Coaching unterscheidet sich von klassischen Coaching-Ansätzen nicht durch mehr Methoden, sondern durch mehr Kontextverständnis, mehr Systemkompetenz und mehr professionelle Klarheit.

Oder zugespitzt formuliert:
Geführte Reflexion braucht Führung durch Verständnis.

Ausblick

Die Frage, wie Coaching im organisationalen Kontext wirksam gestaltet werden kann, lässt sich nicht allein über Methoden beantworten. Sie verweist auf grundlegende Fragen nach Organisationsverständnis, systemischem Denken und professioneller Haltung. Diese Perspektiven gewinnen vor dem Hintergrund von Digitalisierung, hybriden Arbeitsformen und zunehmender organisationaler Komplexität weiter an Bedeutung und verdienen eine vertiefte fachliche Auseinandersetzung.


Portrait von Prof Dr Katrin Winkler, lange Statement-Ohrringe, helles T-Shirt, natürliches Licht, grüner Hintergrund

Prof. Dr. Katrin Winkler

Prof. Dr. Katrin Winkler leitet die Kempten Business School und ist Professorin für Personalmanagement und Führung. Ihr Fokus liegt auf innovativer Führung, digitaler Transformation und lebenslangem Lernen. Sie bringt Führungskräfte in Bewegung, mit neuen Impulsen, klarer Haltung und praxisnahen Konzepten.

15.01.2026

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