Kurz zusammengefasst: Wer die erste Führungsposition übernimmt, aber kein Vorbild und keinen Mentor im Unternehmen hat, steht vor einer doppelten Aufgabe:
Führung lernen und sich diese Rolle ohne Orientierung selbst erarbeiten.
Der Rollenwechsel gelingt, wenn Nachwuchsführungskräfte sich aktiv Unterstützung außerhalb der eigenen Organisation suchen, ihre Führungsidentität bewusst reflektieren und Future Skills wie Selbstwirksamkeit, Kommunikationskompetenz und Ambiguitätstoleranz gezielt aufbauen.
Die Ausgangslage: Führung übernehmen, ohne dass jemand vorausgegangen ist
Die erste Führungsposition klingt nach Erfolg. In der Praxis fühlt sie sich für viele Nachwuchsführungskräfte anders an, nämlich allein.
Der bisherige Chef oder die bisherige Chefin ist selbst neu in der Rolle, es gibt kein etabliertes Mentoring-Programm, und erfahrene Kolleginnen und Kollegen im Team beobachten skeptisch, ob „die oder der Neue“ das wirklich kann.
Diese Situation ist kein Einzelfall.
Ob im bayerischen und schwäbischen Mittelstand, in Familienunternehmen und regionalen Konzernen oder anderswo im deutschsprachigen Raum, überall wächst der Bedarf an Führungsnachwuchs schneller, als es etablierte Entwicklungsstrukturen hergeben.
Wer früh Verantwortung übernimmt, profitiert zwar von Vertrauen und Gestaltungsspielraum, muss aber häufig ohne Vorbild lernen, was gute Führung in der eigenen Organisation überhaupt bedeutet.
Warum fehlende Vorbilder ein reales Problem sind und kein persönliches Versagen
Wenn niemand im Unternehmen den Rücken stärkt, liegt das selten an mangelndem Engagement der Führungskraft.
Häufiger sind es strukturelle Gründe:
- Fehlende Führungskultur: Führung wurde in der Organisation nie systematisch entwickelt, sondern ist „historisch gewachsen“.
- Generationenwechsel ohne Übergabe: Erfahrene Führungskräfte gehen in den Ruhestand, ohne ihr Wissen strukturiert weiterzugeben.
- Operative Überlastung der eigenen Vorgesetzten: Wer selbst im Tagesgeschäft untergeht, hat keine Kapazität, andere zu coachen.
- Kein Budget oder keine Priorität für Führungskräfteentwicklung, insbesondere in kleineren und mittleren Unternehmen.
Diese Einordnung ist wichtig, denn sie verändert die Frage.
Es geht nicht darum, was mit einem selbst nicht stimmt – sondern darum, welche Unterstützung sich eine Führungskraft aktiv von außen holen kann, wenn sie intern fehlt.
Früh die erste Führungsposition übernehmen: Wie der Rollenwechsel gelingt
Der Wechsel von der Kollegin oder vom Kollegen zur Führungskraft ist psychologisch anspruchsvoller, als er von außen aussieht.
Fünf Hebel haben sich in der Praxis bewährt:
1. Die eigene Führungsidentität aktiv formen, statt sie sich „passieren“ zu lassen
Viele Nachwuchsführungskräfte übernehmen unbewusst den Führungsstil ihres letzten Vorgesetzten, im Guten wie im Schlechten.
Wirkungsvoller ist es, sich bewusst zu fragen: Welche Werte will ich als Führungskraft vertreten? Wie will ich Entscheidungen treffen und kommunizieren?
Diese Reflexion lässt sich trainieren, etwa durch strukturierte Selbstreflexion oder ein Future-Skills-Assessment, das blinde Flecken sichtbar macht.
2. Mentoring außerhalb der eigenen Organisation suchen
Fehlt ein Vorbild im eigenen Unternehmen, ist die naheliegendste Lösung, den Blick nach außen zu richten:
Branchennetzwerke, Alumni-Communities, Coachings oder ein berufsbegleitendes Studium bringen den Austausch mit anderen Führungskräften, die vor denselben Fragen stehen – und mit erfahrenen Lehrenden und Coaches, die als Sparringspartner dienen können.
3. Frühzeitig und transparent mit dem eigenen Team kommunizieren
Der Rollenwechsel gelingt leichter, wenn er offen thematisiert wird, statt ihn zu verschweigen.
Ein kurzes, ehrliches Gespräch mit dem Team über Erwartungen, Spielregeln und die eigene Lernkurve schafft mehr Vertrauen als der Versuch, von Tag eins an „die perfekte Führungskraft“ zu sein.
4. Ambiguität aushalten lernen
Ohne Vorbild bedeutet auch: ohne fertiges Drehbuch.
Ambiguitätskompetenz, die Fähigkeit, unter Unsicherheit handlungsfähig zu bleiben – zählt zu den zentralen Future Skills für Führung und lässt sich gezielt entwickeln, etwa durch Methoden wie Design Thinking, die bewusst mit Unklarheit und iterativem Vorgehen arbeiten.
5. Peer-Netzwerke als Ersatz für fehlende interne Vorbilder nutzen
Wo interne Vorbilder fehlen, können Peers sie teilweise ersetzen: andere Führungskräfte in vergleichbarer Situation, mit denen man sich regelmäßig austauscht.
Diese Netzwerke entstehen oft im Rahmen von Weiterbildungen und bleiben über Jahre hinweg eine verlässliche Ressource.
Was das für Unternehmen bedeutet
Nicht nur die Nachwuchsführungskräfte selbst, auch Unternehmen tragen Verantwortung.
Wer früh Verantwortung überträgt, sollte parallel in Formate investieren, die Orientierung geben, wenn interne Vorbilder fehlen – von strukturiertem Onboarding in die Führungsrolle bis zu externer Weiterbildung, die gezielt auf die Bedürfnisse angehender Führungspersönlichkeiten zugeschnitten ist.
Orientierung von außen: Der MBA Future Skills und Führung im Wandel
Genau an diesem Punkt setzt der MBA Future Skills und Führung im Wandel der Kempten Business School an.
Das berufsbegleitende, deutschsprachige Studium richtet sich an Fachkräfte, Nachwuchsführungskräfte und angehende Führungspersönlichkeiten aus dem bayerischen und schwäbischen Mittelstand, aus Familienunternehmen und regionalen Konzernen ebenso wie an alle, die im deutschsprachigen Raum leben und arbeiten – unabhängig davon, in welcher Lebensphase die erste Führungsverantwortung übernommen wird.
Im Zentrum stehen genau die Kompetenzen, die im Alltag ohne Vorbild den Unterschied machen: Führungssicherheit statt Bauchgefühl, Kommunikation und Konfliktfähigkeit, Selbstreflexion und Entscheidungskompetenz, ergänzt um Future Skills wie Digital Literacy, Data Literacy und KI-Kompetenz.
Das Format verbindet Präsenzphasen am Hochschulzentrum Vöhlinschloss mit Online-Sessions und Selbstlernphasen und lässt sich so gut mit Beruf und Alltag vereinbaren.
Das Programm wird grundsätzlich auf Deutsch durchgeführt, einzelne Module finden auf Englisch statt, ein zusätzlicher Vorteil für internationale Anschlussfähigkeit, ohne dass Deutsch als Studiensprache in den Hintergrund tritt.
Häufige Fragen
Was tun, wenn der eigene Chef oder die eigene Chefin selbst kein gutes Vorbild ist?
Bewusst unterscheiden, welche Verhaltensweisen übernommen und welche explizit nicht übernommen werden sollen und sich für Reflexion und Orientierung gezielt externe Unterstützung suchen, etwa über Coaching, Mentoring-Netzwerke oder eine berufsbegleitende Weiterbildung.
Ist es normal, sich in der ersten Führungsrolle unsicher zu fühlen?
Ja. Unsicherheit beim Rollenwechsel in eine Führungsposition ist typisch und gut erforscht, kein Zeichen mangelnder Eignung. Entscheidend ist, wie aktiv damit umgegangen wird.
Welche Future Skills sind für Führungskräfte ohne Vorbild besonders wichtig?
Vor allem Selbstwirksamkeit, Reflexionskompetenz, Ambiguitätstoleranz und Kommunikationskompetenz, sie helfen, auch ohne fertiges Vorbild eigene, tragfähige Führungsentscheidungen zu treffen.
Für wen ist der MBA Future Skills und Führung im Wandel geeignet?
Für Fachkräfte, Nachwuchsführungskräfte und angehende Führungspersönlichkeiten aus dem bayerischen und schwäbischen Mittelstand sowie für alle im deutschsprachigen Raum, die erste Führungserfahrung gesammelt haben oder kurz davorstehen, ein deutschsprachiges, berufsbegleitendes Programm suchen und sich vernetzen möchten.
07.09.2026
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